Donnerstag, 13. Mai 2010

Netwar

Noch kein Mittel gegen vernetzte Freischärler
Arquilla, er gilt als Erfinder der Terminologie und des Konzepts "Netwar" (also Netzkrieg auch in der Bedeutung von vernetzter Krieg), gibt den USA keine Chance, den Krieg in Afghanistan auch neun Jahre nach seinem Beginn zu beenden geschweige denn zu gewinnen.

Die Taliban setzten auf vernetzte Strukturen, während die USA immer noch den alten Krieg im Hinterkopf hätten. Da helfe auch die ganze gewaltige Militärmaschinerie nicht.

Der falsche Ansatz des US-Militärs
Jeden Tag geben die US-Streitkräfte laut Arquilla rund 1,75 Milliarden Dollar für "große Schiffe, große Kanonen und große Truppenverbände" aus. Doch das sei der falsche Ansatz, um die Kriege der Zukunft zu führen.

Strategie wurde nicht adaptiert
In den neun Jahren des ersten großen Konflikts zwischen Staaten und Netzwerken, also dem Krieg in Afghanistan gegen die militärisch schwächeren Taliban, hätten die US-Truppen darin versagt, angemessen auf die geänderten Bedingungen im Vergleich zu einem konventionellen Krieg zu reagieren.

Neue Technologien falsch genützt
Der technologische Fortschritt der letzten zwei Jahrzehnte ging mit der globalen politischen Instabilität nach dem Ende des Kalten Krieges einher.

Doch für die meisten Militärs sind die neuen Technologien nur dazu da, existierende Praktiken zu verbessern. Sie erschöpften sich dabei in "intelligenten" Bomben und Raketen, ferngesteuerten Kampfjets und Drohnen. Ein wirkliches Verständnis der Möglichkeiten sei nicht gegeben. Es herrsche weiter die Ideologie eines "Je größer der Hammer, desto besser das Resultat" vor.

Doch nichts könnte laut Arquilla weiter von der Realität entfernt sein, wie die Ergebnisse im Irak und in Afghanistan zeigten. Er fordert hier neue, auch radikale Ansätze und ein neues Denken.

Schluss mit "shock and awe" & Co.
Die Verantwortlichen im Pentagon seien immer noch von der "Shock and awe"-Strategie, also Angst und Schrecken zu erzeugen, überzeugt. Und auch der "Overwhelming forces"-Doktrin, also der Truppenübermacht, hingen die US-Militärs weiter nach.

Verständnis für Vernetzung fehlt
Die Gefahr gehe von Ländern und Organisationen wie Al-Kaida und den Taliban aus, die es geschafft hätten, die neuen Technologien richtig zu nutzen.

Und das sei kein Problem der Anzahl von Waffen oder neuen "Hightech-Spielzeugen", den US-Militärs fehle einfach ein tieferes Verständnis von Vernetzung: der losen, aber lebendigen Beziehung zwischen Menschen, die eine neue Art von kollektiver Intelligenz, Macht und Absicht hervorbringe - im Guten wie im Bösen.

Die neuen Regeln des Krieges
Arquilla stellt in seinem Artikel neue Regeln für künftige bewaffnete Konflikte auf.

"Viel und klein" schlägt "wenig und groß", lautet sein erster Leitsatz. Das größte Problem traditioneller Armeen sei, dass sie für große Kriege organisiert seien, aber nicht wüssten, wie man kleine führt.

Die Militärs verließen sich lieber auf wenige große Einheiten, in denen die rund 1,5 Mio. aktive Soldaten organisiert seien, als auf eine Vielzahl von kleinen.

Kleinere Einheiten für kleinere Aufgaben
Es sei kein Wunder, dass sich die US-Armee in wiederholten Aufmärschen seit 9/11 erschöpft habe. Sie habe ein chronisches "Größenproblem", so Arquilla, und sei unfähig, kleinere Aufgaben mit kleineren Einheiten zu erledigen. Ein weiterer Grund dafür sei die strenge Hierarchie.

Den Feind überhaupt finden
Als zweite neue Regel gilt für Arquilla "Den Feind finden ist besser als der Angriff auf die Flanke". Lange Zeit galt bei Militärstrategen der Angriff auf die Flanke als Nonplusultra, um die gegnerische Armee wenn nicht zu zerstören, so doch zumindest von der Seite aufzurollen.

Laut Arquilla wird es allerdings immer wichtiger, den Feind überhaupt zu finden, wenn man an die Terrorattacken im Irak oder Afghanistan denke. Kleine vernetzte Gruppen, die im Verborgenen arbeiten, könnten einfach nicht mit den klassischen Mitteln bekämpft werden.

Die Verstecken-und-suchen-Dynamik
Es sei nun kein Masse-gegen-Masse-Kampf mit Aufmarschplänen mehr möglich, vielmehr gebe es nun eine Verstecken-und-suchen-Dynamik.

Um für die bewaffneten Konflikte der Zukunft gerüstet zu sein, müssten die Armeen immer im Hinterkopf behalten, dass der vernetzte Gegner erst gefunden werden muss, um ihn überhaupt bekämpfen zu können.

Schwärme besser als große Armeen
Schwärme sind die neue Truppenstärke, so die dritte Regel. Damit mein Arquilla, dass Angriffe kleiner Gruppen von verschiedenen Seiten mehr Wirkung haben als große Gruppenstärken.

Dazu zählt Arquilla auch kleine Attacken auf mehrere Ziele, wie es eben bei den Terrorangriffen am 11. September 2001 und auch den Attacken in Mumbai 2008 der Fall war. Kleine Gruppen könnten so verheerende Wirkungen und Destabilisierung entfalten.

Mobilisierung als "Zeitfresser"
Große Armeen seien damit einfach überfordert - einerseits durch die Befehlskette, andererseits durch die Mobilisierung der Truppen, die durch die Größe zum "Zeitfresser" wird. Auch hier sollte das Militär von den Terrorgruppen lernen und entsprechende vernetzte Gegenmittel planen.

Damit könnte Terrorgruppen meist auf kleinem, regionalen Niveau gehalten werden und würden nicht so oft als Teil des globalen Systems auftauchen. Diese Art von neuem Militär wäre kleiner und effizienter, d. h. schneller einsatzbereit. Auch damit würden größere Attacken für die Terroristen uninteressant.

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